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Montag, 1. Juli 2013

Speisekarten-Comedy

Bevor ich es vergesse, nächstes Wochenende ist es wieder soweit: Münster verwöhnt!

Soeben habe ich schon mit Michael die Speisekarten der verschiedenen Stände studiert und neben vielen spannenden Gerichten auch viel Amüsantes entdeckt. Wer auch immer sich die vollmundigen Namen für die Gerichte ausgedacht hat, muss irgendein komisches Kraut geraucht haben. Alles ist irgendwie an, auf, neben oder unter irgendwas, zudem ist das Lektorat mehr als schlampig gewesen. Da gibt es "vitello tonato mit Thunfischsauce" (ohne Thunfisch wär's ja auch ein anderes Gericht), "Lemetteneis", "Knoblauchdipp", "Barbeque-Dipp", "Rotbarbenfischfilet" (gibt's auch Rotbarbenschwein?), aber auch so lustige Dinge wie "Bohnen-Durcheinander". Die Internetseite verspricht
Das Preislimit besagt, das kein Gericht über 8,50 Euro kosten wird.
Ergänzen Sie ein s und stellen Sie fest, dass das aktuelle Programm nicht wenige Preise bis zu 9,-€ enthält. Ja, auch ich mache Fehler, aber in der Häufung und vorallem bei dem exklusiven Anstrich, den sich die Veranstaltung gibt, empfinde ich dies dann doch als etwas, hm, ich sage mal... peinlich.

Besonders gelacht habe ich über den  

Kabeljau Sous vide gegart in Hoi Sin mit Esterházy Gemüse aus dem Wok

Nach reiflicher Recherche weiß ich nun ungefähr, was das ist. Aber die armen Leute, die an dem Stand arbeiten und drei Tage lang die Fragerei ertragen müssen... Vermutlich gibt sich aber niemand der oberen 10.000 Münsteraner die Blöße, sondern befragt lieber sein stets parates "Schlaufon". ;-)

Außerdem gibt es Caponata, Gremolata und Krustentierschaum, haufenweise Salatbouquets, Konfiertes und (Brombeer-)Confit, Merguezwurst, Purple-Curry, Speckchips, Entenrilles (meinen die Rillettes?), "abgeschmelzte Maultaschen", Valrhona-Schokolade oder "gerahmtes Champagnerkraut" (Goldrahmen?). Nicht mal Koch-Nerds wie wir wissen bei allem auf Anhieb, was es ist. Ein wenig mehr Volksnähe täte den Schreiberlingen hier vielleicht ganz gut. Michael und ich feilen nun schon an Eigenkreationen. Und dann hacken wir uns in die Münster verwöhnt Seite und fügen die in die Speisekarte ein. Wundert euch also nicht über Geriffelte Südhang-Grasnarbe aus dem Akazienrauch neben goldgerahmter Nase vom Hibernatico-Schwein an mariniertem Roßhaarsalat vom Hippocampus aus dem Nord-Atlantik oder so...

Für mich besteht ein gutes Gericht noch immer aus frischen Zutaten, einer guten Rezeptur und dem richtigen Zeitgefühl für den perfekten Garpunkt. Ein geschwollener Name hat doch oft einen faden Beigeschmack.

Freitag, 14. Juni 2013

Vegan Pad Thai

Nachdem der Vegan Black Metal Chef schon als Inspiration für unsere Pentagramm-Sternchen herhalten musste, haben wir ihm nun die Ehre erwiesen, sein Vegan Pad Thai nachzukochen. Zwar sind wir -ganz offensichtlich- keine Veganer, jedoch kann uns dies freilich nicht davon abhalten, vegane Rezepte zu testen und zu würdigen.

Heute also Pad Thai. Weiß jemand noch nicht, worum's geht? Dann einfach mal in dieses Videos reinschauen. ;-)


Leider hatten wir nicht halb so coole Messer am Start wie der Chef und der Mangel an präzisen Angaben zu Mengen und Zeiten hat uns zur Improvisation gezwungen. Macht nichts. Scheinbar erging es dem Chef selbst nicht viel anders:


This recipe comes from months of trial and error (mostly error) of trying to duplicate the pad thai at one of the local resturants in Orlando. After asking the waiter several times to make sure it did not have fish sauce he replied no “it is a collection of different powders, sugar, and tamarind mixed with vinegar”… from that hint, this was born.

Die kleine Hellebarde muss herhalten.

Gewisse Angaben haben wir dann aber doch sehr wörtlich genommen, z.B. die Mengenangabe für den Zucker.
First it starts with sugar, a whole fucking lot.
A little bit more than that, yes thats right.
In zwei große Töpfe mit Pad Thai (es sollte ja auch für zehn hungrige Ninjas reichen) sind am Ende zwei Kilo (!) Zucker gewandert, eben "a whole fucking lot". ^^


Die komplette Kochaktion haben wir in der schon mal erwähnter Schlauch-Küche durchgeführt, was mit fünf bis sieben mehr oder weniger aktiven und erfahrenen Köchen immer einem Abenteuer gleicht. Aber wie auch zuletzt ist alles gut gegangen, es gab trotz Hantierens mit Hellebarde und anderem Trainingsgerät keine Verletzten, jede Mange Spaß und am Ende leckeres Essen. Was will man mehr?

Wenn man sich das Pad Thai-Lehr-Video so ansieht scheinen wir deutlich mehr Reis-Nudeln verwendet zu haben, als der Chef. Dem Genuß hat es keinen Abbruch getan. Vorallem die Limette, die zusätzlich darüber gestreuten Erdnüsse und der frische Koriander dürfen aber für das gewisse Etwas nicht fehlen. Und natürlich der Zucker... ^^








Selbst bekennende Fleisch-Fans mussten am Ende zugeben, dass dieses Gericht echt lecker ist (O-Ton: obwohl da Tofu drin ist!). 

Wünsche Euch allen einen guten Start ins Wochenende und viel leckeres Essen - vegan oder auch nicht.

 

Mittwoch, 29. Mai 2013

Brunchnick

Bei den zahlreichen Feiertagen im Mai - wir in NRW sind da ja noch mit einem zusätzlichen gesegnet- waren tatsächlich auch welche mit gutem Wetter dabei. Morgen ist es schon wieder so weit und da haue ich jetzt schnell noch einen Vorschlag für eure Feiertagsplanung raus.
Wie wir erprobten, beginnt man so einen Feiertag im Mai nämlich am besten mit einem
Brunchnick.
Vielen Dank an JP Senior für diese großartige Wortschöpfung!
Viel mehr als ein paar Freunde (von denen mindestens einer verrückt genug sein sollte, morgens um 7 Uhr aufzustehen, um für den Rest irgendwelche Köstlichkeiten zuzubereiten) eine Picknick-Decke (oder zwei oder drei) und eine geeignete Rasenfläche braucht es auch nicht. Trägt man dann noch alles Genießbare zusammen, was gerade so greifbar ist, sieht es ungefähr so aus:


Gut, wir sind jetzt nicht ganz so akribisch wie Austin Radcliffe von Things Organized Neatly, dafür haben wir aber ausgesprochen überrascht drein schauende Tomaten, oder nicht? ^^ 

Außerdem hatten wir weitere Gemüse-Sticks (davon kann man NIE genug haben) mit selbst gemachtem Hummus, Insalata Caprese, Japanische Omelett-Röllchen, Britische Toast-Häppchen (in den Varianten Thunfisch-Gurke oder Schinken-Mayo), Erdbeeren, Bananen, Joghurt, Müsli, Milchkaffee und Ingwertee, Erdnussbutter, selbst gekochte Marmelade, Nutella, Schinken, Käse, Fisch, natürlich frische Brötchen und Croissants etc., etc. ...

 
So ein großes Angebot macht in der Tat erfinderisch. Absolut unschlagbare giganto Erfindung in Sachen Brötchenbelag: Nutella (und wahlweise zusätzlich Erdnussbutter), Bananenscheiben, Erdbeerscheiben. Wir tauften es Porno-Brötchen und setzten ihm eine passende Brille auf. 




Alles Gute wird irgendwann von besserem überholt, und so gibt es nun bereits Porno-Brötchen 2.0 mit Himbeeren, und weil die praktischerweise innen hohl, sind füllt man diese mit je einem Honey Pop.

Möchte man länger schlafen ist das übrigens auch kein Problem. Man benennt das ganze um in Lunchnick und packt sein Körbchen ein paar Stunden später.^^ In diesem speziellen Fall wäre das allerdings blöd gewesen, denn ab 12:30 war die Sonne weg.

Oh weh... Äh, ja, jetzt ist mal Schluß mit albernen Worterfindungen, ich geh mich dann mal... öh, verstecken hinter meinem Trainingsgerät.


Apropos: 
Eigentlich wollten wir im Park nach dem Brunchnick noch ein wenig trainieren, oder mindestens mal die Tai Chi Fächerform wiederholen. Die vielen Feiertage haben nämlich auch zur Folge, dass die Hallen ständig zu sind. Hat dann auch fast geklappt...


Zu diesem Thema zieht Michael nur müde eine Augenbraue hoch und fragt skeptisch, wie das alles jetzt mit unserem sonstigen Koch-Niveau zusammen passt. Ööööh, mir egal. Ich will euch in diesem Fall mal wieder nur an meinem kulinarischen Alltag teilhaben lassen, und manchmal sieht der eben so aus. Hoffe, ihr habt auch daran ein bißchen Spaß. 

DANK an alle brunchnickenden Mitstreiter, Feiertags-Frühaufsteher und den ganzen Unfug dokumentarisch begleitenden Fotografen. :-D


Donnerstag, 3. Januar 2013

Sushi-Roulette


Viele Köche verderben den Brei? Keineswegs. Vielleicht lag's daran, dass wir keinen Brei gekocht haben. Wer will schon Brei, wenn er Sushi haben kann? ^^
Den Auftakt machte ein nur halbwegs erfolgreicher Streifzug durch zwei Supermärkte und einen Asia-Laden. Keine Frühlingszwiebeln, keine Zuckerschoten. Nirgends. Frechigkeit! Haben diese durch Lauch und Blattspinat substituiert. Zu siebt haben wir uns dann in einer kleinen Schlauchküche herum gedrückt, um am Ende stilecht von einer reichaltigen kleinen Tafel zu speisen.

Erster Streich: Misosuppe mit Lauch, Blattspinat und Tofuwürfeln.
Diese Suppe ißt man in Japan traditionell zum Frühstück. In Michaels Japanischem Kochbuch steht dazu:
Schon nach ein paar Schlucken ist die morgendliche Schläfrigkeit verflogen und Sie sind für den anstehenden Tag mit Kraft und Energie versorgt.
Natürlich ißt man die Suppe dort mit Stäbchen, was ich schon ausgeschlafen nicht wirklich gut kann, geschweigedenn, wenn ich schläfrig bin. Nachdem ich zwei Wochen in Hong Kong war, konnte ich ganz passabel mit Stäbchen essen, seit dem habe ich es aber ganz offensichtlich wieder verlernt. Daher wurde beherzt zum Löffel gegriffen. Ätsch!
Scheinbar ist Miso, vergorene Sojabohnenpaste, geschmacklich nicht ganz mein Ding aber ich wollte es immer mal probieren. Hab' ich nun. Wie schön!


Und der zweite folgt sogleich: Sushi, genauer Nigiri Zushi, Maki Zushi und Ura Maki Zushi begleitet von Japanischem Gurken- und Möhrensalat, den üblichen Ergänzungen (eingelegter Ingwer, Wasabi, Sojasauce, Sesam...) und grünem Tee, Guaven- und Mangosaft. Wir haben keine Mühen gescheut und unsere Nigiri u.A. mit gegrillten und anschließend gehäuteten Paprika oder auch mit feinen Omlett-Röllchen belegt. Auf dem Tisch landete daher später auch Diverses, was wir nicht mehr geschafft haben in Reis und Nori zu rollen, weil wir um 21:30 dann doch mal richtig Hunger hatten!

In die Sushi-Röllchen wanderten in verschiedenster Kombination Thunfisch, Lachs, Gurke, Avocado, Möhren, Lauch, Blattspinat, angebratene Ingwer-Hühnchen-Streifen und aus reinem Wahnsinn heraus auch Schinkenwürfel und knusprig gebratene Speckstreifen. Weiterhin ist an manche Rollen _mehr_ Wasabi geraten, was das Essen zu einem kleinen Roulettespiel mit der einen oder anderen Gesichtsentgleisung gemacht hat.

Dank an den Gastgeber und alle Mitstreiter für den wirklich schönen Abend. Ich geh jetzt Mittagessen, es ist noch Sushi da!